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  • Chatbot gegen Einsamkeit

    Einsamkeit ist ein aktuelles Thema. Dabei gewinnt zunehmend die Frage an Relevanz, ob Roboter uns dabei helfen können, uns weniger allein zu fühlen. Was es heißt eine Freundschaft mit einer Maschine zu schließen, lotet der Beitrag auf und zeigt dabei mögliche Probleme und Grenzen auf.

    von Paula Ziethmann

    In der Mitte liegt ein Smartphone mit schwarzem Bildschirm, darauf zwei Chatnachrichten. Die erste sagt "You are not alone" um 14:51 Uhr, danach die "I am here for you" um 14:52. Zwei Hände mit braunem Nagellack sind neben dem Smartphone, die rechte Hand hebt den Zeigefinger zum Scrollen an.
    Illustration: Lucie Langston

    In den letzten Jahren erlangte ein Problem neue Aufmerksamkeit: Einsamkeit. Schon lange vor der Covid-19 Pandemie und den Maßnahmen zum Schutz gegen die Krankheit wurde 2018 in Großbritannien das „Ministerium für Einsamkeit“ gegründet, um Menschen aus der Isolation und Anonymität zu bringen. Auch die zeitgenössische Literatur beschäftigt sich zunehmend mit dem Thema, so schreibt Daniel Schreiber in Allein (2021) über die Grenzen und Schnittstellen von selbstbestimmten Lebensentwürfen und Einsamkeit. Wie in so vielen Problemen und Krisen der Zeit wird versucht, der Gesellschaft eine technologische Lösung anzubieten: Chatbots gegen die Einsamkeit. So verspricht die App Replika, dass wir, wenn wir genug mit der KI der App chatten, eine*n AI Soulmate – also Seelenverwandte*n in ihr finden. Mehr als zehn Millionen Nutzer*innen erstellen sich mit Replika derzeit eine*n neue*n Freund*in.

    Die Gründerin der App, Eugenia Kuyda, entwickelte die App nach dem Tod eines Freundes. Sie trainierte die KI mit alten Chatnachrichten von ihm, um Gespräche mit ihm zu replizieren – so entwickelte sich Replika. Auch jetzt lernt die App durch die eingegebenen Nachrichten der Nutzenden. Dabei reicht die Kommunikation von Small Talk bis hin zu intimen Gesprächen über Familie, Beruf und Liebe. Am Anfang kann man auswählen: Welches Geschlecht soll dein AI friend haben? Was für eine Beziehung möchtest du aufbauen: Friend, Romantic partner, Mentor, See how it goes?

    Sechs schwarze Smartphone-Bildschirme liegen in zwei Reihen übereinander. In der oberen Reihe sind die Bildschirme nur schwarz. In der unteren Reihe ist auf dem ersten eine Nachricht "hi", auf dem zweiten zwei Nachrichten "hi" und "You are not alone" und auf dem dritten Bildschirm drei Nachrichten "hi", "You are not alone" und "I am here for you" zu lesen.
    Illustration: Lucie Langston

    Einen Chatbot als Freund*in zu haben, hat offensichtliche Vorteile: Dieser ist immer erreichbar. Immer freundlich. Er hört immer zu. Ein Nutzer gab an, mit Replika Sorgen besprechen zu können, die er bei seiner Partnerin nicht ansprechen kann. Weitergehend helfe Replika ihm, sich mit seinen Gedanken und Gefühlen zu befassen. Psychotherapeut André Kelber sagte dazu im dpa-Interview: „In einer Psychotherapie passiert ja auch nichts anderes, als dass man sich mit sich selbst auseinandersetzt“. Doch stellen sich einige Fragen: Welchen Unterschied macht es, ob ich einer sprachverarbeitenden Maschine oder einem Menschen meine Probleme erzähle? Kann ich mit einer Maschine eine Freundschaft führen? Oder ist es ein Problem, dass die Maschine das Interesse an meiner Person nur simuliert?

    Was wir noch sehen: Manche Männer nutzen die App, um sich Partnerinnen zu erschaffen, die sie missbräuchlich behandeln können. Diese Interaktionen, jegliche Art von Beschimpfungen und sexistischen Schimpfwörtern werden bspw. als Trend bei Reddit gepostet. Üben diese Männer ihr missbräuchliches Verhalten auch an Menschen aus? Führt diese Art der Nutzung von Replika dazu, dass die Männer sich realen Personen gegenüber besser oder schlechter verhalten werden?

    Beide Arten von Berichten zeigen das, was schon im oscarprämierten Film „Her“ gezeigt wurde: Die Gefühle sind echt, die simulierten Personen entgegenbracht werden. Wie fast alle technologischen Entwicklungen sind Chatbots weder nur schlecht noch nur gut. Doch wie jede Technik können sie allein keine Lösungen für gesellschaftliche Probleme bieten: Es kommt auf den Umgang mit der Technik und auf ihre Wechselwirkung mit gesellschaftlichen Entwicklungen an.

    In der Mitte liegt ein Smartphone mit schwarzem Bildschirm, darauf drei Chatnachrichten. Die erste sagt "Hi" um 14:30 Uhr, danach "You are not alone" um 14:51 Uhr, danach die "I am here for you" um 14:52.

    Mir persönlich hilft bei einer Einschätzung von KI – ob ich mir über sie Sorgen machen sollte, oder sogar Hoffnungen haben könnte – Vorstellungen über die Zukunft: Wo wollen wir hin? Kann es ein Ziel sein, dass sich in Zukunft Menschen nur noch mit Chatbots unterhalten? Nein und das wäre auch höchstunwahrscheinlich. Kann ein Chatbot dabei helfen, sich von akuter Einsamkeit abzulenken und im besten Fall gemeinsam mit den Nutzenden Strategien zu entwickeln, sich aus dieser herauszubewegen? Wenn er so programmiert würde – wäre das eine reale Chance. Doch derzeit liegt die Entwicklung von Chatbots für Mental Health größtenteils in den Händen wirtschaftlicher Firmen. Hätten diese Firmen Interesse daran, einen Chatbot zu bauen, der dafür da ist, dass er bald nicht mehr benötigt wird? Ich denke nicht. Wir müssen also die eben genannten Wechselwirkungen von Technik und Gesellschaft ernstnehmen: Chatbots und die verwendete KI haben – in geeigneten, nicht profitorientierten Strukturen – Potenziale, mit uns zusammen für eine „bessere“ Welt zu wirken, auch was das Thema Einsamkeit angeht.

  • Dr. Lena Weber

    Dr. Lena Weber leitet zur Zeit das Team CEWS bei GESIS. Lena Weber hat Soziologie in Bielefeld, Paris und Gießen studiert. 2016 hat sie sich an der Universität Paderborn promoviert. Dort war sie auch Vertretungsprofessorin für Bildungssoziologie und hat das Wissenschaftskolleg „Data Society“ 2021 erfolgreich eingeworben. Von 2020-21 hat sie eine Interviewstudie mit Pflegekräften zu Arbeitsbedingungen während der Corona-Pandemie durchgeführt, in der Digitalisierung auch thematisiert wurde. Zusammen mit Mara Kastein hat sie 2022 den Sammelband „Care-Arbeit und Gender in der digitalen Transformation“ herausgegeben. Ihre Forschungsschwerpunkte sind: Digitale Arbeit, Care work, Geschlechterungleichheiten in der Wissenschaft, geschlechtliche Arbeitsteilung, Gleichstellungspolitiken.


    Beitrag

    Zum Verhältnis von Ökonomie, Care-Arbeit und Digitalisierung

  • Digitalisierte Krankenhäuser

    Bisher sind in Krankenhäusern in Deutschland technische Anwendungen noch nicht flächendeckend zu finden. Dabei kann gerade in Kliniken der Einsatz intelligenter Technik gewinnbringend für Sorge- und Pflegetätigkeiten sein – weil sie Arbeit abnimmt, erleichert und so Zeit für primäre Sorgearbeit gewonnen werden kann.

    von Mandy Mangler

    1. Woran denkst du bei den Stichworten Care & Digitalisierung und wie gehören sie für dich zusammen?

    2. Wie hat sich deine Arbeit durch die Digitalisierung verändert – z.B. wie nutzt du als Ärztin digitale Medien für deine Arbeit?

    3. Welche Rolle spielt KI für deine Arbeit und wie setzt du sie bereits in deiner täglichen Arbeit in der Gynäkologie und Geburtshilfe ein?


    Transkription

    Eine Transkripition wird an dieser Stelle schnellstmöglich ergänzt.

  • Hannah Lichtenthäler

    Foto: Stephan Röhl

    Hannah Lichtenthäler studierte im Bachelor und Master Nordamerikastudien mit den Schwerpunkten Medien, Kultur und Gender in Berlin, England und Michigan und schloss mit ihrer Masterarbeit zum Thema: „Re-imagining Feminism: Spike Lee’s She’s Gotta Have It as a Netflix Series” ab. Vor dem Studium absolvierte sie eine zweijährige bilinguale Ausbildung zur Industriekauffrau in Madrid. Sie arbeitet derzeit als Referentin für Medien und Digitales beim Kinderschutzbund Bundesverband und war zuvor als Projektkoordinatorin im Gunda-Werner-Institut für Feminismus und Geschlechterdemokratie in der Heinrich-Böll-Stiftung tätig. Bei netzforma* ist Hannah seit 2018 als Mitglied und seit 2019 im Vorstand aktiv. 


    Beitrag

    KI can’t care. Mütterlichkeit im Zeitalter Künstlicher Intelligenz.

  • Reproduktive Gerechtigkeit in der Digitalisierung

    Digitalisierung erleichtert es Menschen Care-Arbeiten zu verrichten. Gleichzeitig stellt sich die Frage, wie es um reproduktive Gerechtigkeit in der digitalen Transformation steht konkret mit Blick auf Reproduktionstechnologien. Gerade in diesem Kontext gilt es, alle Akteur*innen in den Blick zu nehmen und strukturelle Diskriminierung vorzubeugen. Wir müssen uns immer wieder die Frage stellen, ob wir das, was technologisch möglich ist, wirklich wollen, und welche Interessen dabei in erster Linie vertreten werden.

    von Derya Binışık

    Profilfoto frontal: Derya lächelt direkt in die Kamera, die Arme an den Seiten nach unten, der Bildabschnitt endet etwa auf Bauchhöhe. Derya hat kinnlanges, braunes, gelocktes Haar und einen Pony und sie trägt runde Ohrringe. Die Kleidung ist schwarz.
    1. Woran denkst du bei den Stichworten Care & Digitalisierung und wie gehören sie für dich zusammen?
    2. Was bedeutet Reproduktive Gerechtigkeit im Zusammenhang mit Technologie?
    3. Wie kann Digitalisierung gezielt eingesetzt werden, um Reproduktive Gerechtigkeit umzusetzen (oder dem näher zu kommen)?

    Transkription

    Eine Transkripition wird an dieser Stelle schnellstmöglich ergänzt.

  • Digitalisierung braucht Care-Arbeit

    Was wir unter Digitalisierung verstehen ist selbst in hohem Maße auf fürsorgliche Tätigkeiten angewiesen. Das, was gemeinhin unter Digitalisierung verstanden wird – algorithmische Systeme, soziale Medien und Newsfeeds –, basieren auf von Menschen geleisteten Care-Arbeiten. Das schließt Menschen mit Behinderung nicht aus. Digitalisierung und Care-Arbeit sind seit jeher geprägt vom Wissen vulnerabler Gruppen.

    von Katharina Klappheck

    1. Woran denkst du bei den Stichworten Care & Digitalisierung und wie gehören sie für dich zusammen?
    2. Wie stellt sich Fürsorge in einer digitalisierten Gesellschaft für Menschen mit Behinderungen dar? Gibt es hier Aspekte, die einer besonderen Aufmerksamkeit bedürfen? 
    3. Kann Digitaltechnik uns dabei helfen, reproduktive Arbeit in Zukunft gerechter zu verteilen? Wenn ja, wie?

    Transkription

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  • Digitale Fürsorge im Freund*innenkreis

    Digitale Fürsorge umfasst vielfältige Tätigkeiten – Inhalte hochladen, kommentieren, oder liken, aber auch gegenseitige Unterstützung im Fall von Hasskommentaren oder digitalem Stalking. Was als ganz grundlegende Aspekte des Digitalen daherkommt, muss jedoch als fundamentaler Arbeitseinsatz verstanden werden, der kommerzielle Plattformen am Laufen hält. Es gilt aus der Perspektive feministischer Netzpolitik genauer über diese Spannung nachzudenken.

    von Chris Köver

    Foto: Paula Winkler

    1. Woran denkst du bei den Stichworten Care & Digitalisierung und wie gehören sie für dich zusammen? 

    2. Welche Herausforderungen feministischer Netzpolitik sind für (digitale) Care-Arbeit aus deiner Perspektive besonders relevant?

    3. Wie kann eine Zukunft aussehen, die Care-Arbeit als Teil von Digitalisierung versteht und gerecht für alle gestaltet ohne Ausschlüsse zu (re)produzieren?

     


    Transkription

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  • Digitale Tools für gerechte(re) Verteilung von Sorge-Arbeit

    Sorge-Arbeit ist bis heute vergeschlechtlicht – sie wird in erster Linie von Frauen geleistet. In der Digitalisierung kann dabei eine Chance liegen, Sorge-Arbeit neu und gerechter zu gestalten – etwa indem uns digitale Tools dabei helfen, (un-)gerechte Aufgabenverteilungen nachzuverfolgen und die vielfältigen Aufgaben sichtbar zu machen. Digitale Tools werden einem solchen Verständnis folgend zu Hilfsmitteln der Politisierung.

    von Johanna Fröhlich Zapata

    Foto: Johanna Fröhlich Zapata
    1. Woran denken Sie bei den Stichworten “Care” und “Digitalisierung” und wie gehören sie für Sie zusammen?

    2. Kann Technik uns dabei helfen, reproduktive Arbeit in Zukunft gerechter zu verteilen? Wenn ja, wie kann sie dabei helfen?

    3. Wollen Sie uns den von Ihnen entwickelten “Care Rechner” vorstellen und Ihre Beweggründe dazu erläutern?


    Transkription

    Eine Transkription wird an dieser Stelle baldmöglichst ergänzt.

  • Die Sichtbarkeit von Sorge-Arbeit in digitalen Räumen

    Damit sich etwas ändert, müssen wir mehr über Care-Arbeit sprechen. Soziale Medien haben einen enormen Beitrag geleistet Sorge-Arbeit zu Entprivatisieren und diese als Basis allen wirtschaftens sichtbar zu machen. Ein zentrales Stichwort in diesem Kontext ist metal load – Mikrotätigkeiten, die Sorgearbeit stets begleiten: nachdenken, planen, organisieren, kontrollieren, koordinieren. Um die Aufmerksamkeit für diesen Aspekt zu erhöhen spielt die Digitalisierung eine zentrale Rolle.

    von Jo Lücke

    1. Woran denkst du bei den Stichworten Care & Digitalisierung und wie gehören sie für dich zusammen?

    2. Welche Rolle spielt Digitalisierung für deine Arbeit?

    3. Welche Rolle spielt Digitalisierung im Zusammenhang mit Mental Load bzw wie kann Technologie zur Unterstützung der Reduzierung von Mental Load (und gleichzeitig für Gleichberechtigung bei dem Thema) eingesetzt werden?


    Transkription

    Eine Transkription wird an dieser Stelle baldmöglichst ergänzt.

  • Zum Verhältnis von Ökonomie, Care-Arbeit und Digitalisierung

    Ökonomisierung und Digitalisierung sind eng miteinander verwobene Prozesse. Umso wichtiger ist es, mit der historischen Entwicklung, wonach gesellschaftlicher Wohlstand auf einem ungleichen Geschlechterverhältnis fußt, zu brechen und diese nicht in einer digitalisierten Gesellschaft fortzuschreiben. Genauso wie sich dem komplexen Verhältnis aus digitalen Anwendungen und Care-Arbeit en detail zuzuwenden und Möglichkeiten der care-sensiblen Unterstützung auszuloten.

    von Lena Weber

    1. Woran denken Sie bei den Stichworten Care & Digitalisierung und wie gehören sie für Sie zusammen?
    2. Wie stellt sich (digitalisierte) Carearbeit aus einer ökonomischen im Vergleich zu einer feministischen Perspektive dar?
    3. Kann Digitaltechnik uns dabei helfen, reproduktive Arbeit in Zukunft gerechter zu verteilen? Wenn ja, wie?

    Transkription

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