viele Videokameras sind auf zwei Frauen gerichtet

Wir werden auf Schritt und Tritt überwacht. Ob wir mit öffentlichen Verkehrsmitteln fahren, Geld abheben, Online Einkaufen oder Suchmaschinen befragen – sich im analogen wie digitalen Raum anonym zu bewegen, insbesondere in Großstädten, ist quasi unmöglich geworden. Beobachtet werden wir dabei von verschiedenen Akteur*innen: dem Staat, privaten Sicherheitsdienstleister*innen, multinationalen Konzernen und nicht zuletzt uns selbst. Durch einen schnellen Klick auf die Zustimmung zu den AGBs lassen wir bereitwillig erfassen, welche Musik wir hören, welche Produkte wir kaufen, oder wie viele Schritte wir gehen. Im öffentlichen Raum reicht sogar unsere bloße Anwesenheit als Einwilligung zur Überwachung durch Videokameras. Gerechtfertigt wird Überwachung im öffentlichen Raum vor allem durch das Versprechen von mehr Sicherheit. Häufig werden dabei explizit feministische Forderungen nach der Prävention von Gewalt gegen Frauen in öffentlichen Räumen, wie sie innerhalb der feministischen Stadtplanung entwickelt wurden, zur Legitimation benutzt.

In den Hintergrund tritt dabei, dass Überwachung neben vermeintlich größerer Sicherheit auch eine größere Kontrolle bedeutet. Von dieser Kontrolle sind marginalisierte Gruppen am stärksten betroffen. Für LGBTQI* birgt Überwachung ein viel höheres Risiko, sei es auf öffentlichen Plätzen oder bei Meinungsäußerungen im Internet, was eine Selbstzensur zur Folge haben kann. Nicht zuletzt werden aus den gesammelten Daten Personen in Gruppen kategorisiert, was rassistische Praxen zur Folge haben kann.

Überwachung ist ein wichtiges feministisches Thema, weil es die Persönlichkeitsrechte von marginalisierten Gruppen in besonderer Weise bedroht. Außerdem findet im politischen und öffentlichen Diskurs eine Indienstnahme feministischer Forderungen nach Sicherheit für Frauen statt, durch die auch rassistische Praxen wie Racial Profiling legitimiert werden sollen. Daher gilt es in der Debatte um Überwachung stets deren Auswirkungen auf verschiedene gesellschaftliche Gruppen in den Blick zu nehmen und sich klar gegen diskriminierende Maßnahmen zu positionieren und zur Wehr zu setzen.

Linkliste/Leseempfehlungen:

Browne, Simone (2015). Dark matters : on the surveillance of blackness.

Dubrofsky, Rachel E. ; Magnet Shoshana Amielle (Eds.). (2015). Feminist surveillance studies.

Lyon, David (2003). Surveillance as social sorting : privacy, risk, and digital discrimination.

Shepard, Nicole (2017). Was hat Überwachung mit Sex und Gender zu tun?

5 reasons why surveillance is a feminist issue

Surveillance as a Feminist Issue

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